Der führende US-Essenslieferdienst DoorDash hat die Absicht bekannt gegeben, den Konkurrenten Instacart für rund 17 Milliarden Dollar zu übernehmen. DoorDash bietet dabei 65 Dollar pro Aktie, was einem Aufschlag von 26 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vor den ersten Berichten entspricht. Die Finanzierung erfolgt zu mindestens 75 Prozent in bar, wobei JPMorgan eine Brückenfinanzierung bereitstellt, während der Rest in DoorDash-Aktien beglichen wird.
Strategisch zielt DoorDash damit auf den komplexen Lebensmittelmarkt ab, den CEO Tony Xu als eine der schwierigsten Kategorien für Online-Geschäfte bezeichnet. Durch die Übernahme integriert DoorDash Partnerschaften mit Supermärkten und ein etabliertes Werbegeschäft. Instacart-Kunden erhalten im Gegenzug Zugang zu über 50.000 zusätzlichen Geschäften. Laut Instacart-CEO Chris Rogers ermöglicht dieser Zusammenschluss dem Unternehmen, eine größere Reichweite zu erzielen.
Die Bewertung von 17 Milliarden Dollar markiert für Instacart einen deutlichen Rückgang gegenüber der privaten Spitzenbewertung von 39 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2021. Zum Vergleich: Beim Börsengang im Herbst 2023 lag der Ausgabepreis bei 30 Dollar pro Aktie, was einer Bewertung von etwa 10 Milliarden Dollar entsprach. DoorDash ist mit einem Börsenwert von rund 73 Milliarden Dollar deutlich größer als Instacart, das zuletzt bei etwa 14 Milliarden Dollar lag.
Operativ soll Instacart als eigenständige Marke mit eigener App und Technologiegeschäft für Händler fortbestehen. Die Abonnement-Modelle DashPass und Instacart+ werden zusammengelegt, was laut DoorDash jährliche Ersparnisse von rund 100 Millionen Dollar für die Mitglieder bedeuten soll. Um regulatorische Bedenken zu zerstreuen, verspricht DoorDash, dass Supermärkte weiterhin mit allen Plattformen zusammenarbeiten dürfen und keine Exklusivverträge geschlossen werden.
Ein Abschluss des Deals wird erst für Ende 2027 oder die erste Hälfte 2028 erwartet, da die Zustimmung von Wettbewerbsbehörden in den USA, Kanada und Israel erforderlich ist. Die Marktkonzentration ist hoch: Laut Consumer Edge entfallen 59 Prozent der Ausgaben auf US-Lieferplattformen auf DoorDash und 18 Prozent auf Instacart. Zusammen würden sie über drei Viertel des Marktes kontrollieren, während Uber Eats knapp unter 20 Prozent liegt.
Gegenüber den Behörden wird DoorDash vermutlich argumentieren, dass die Konkurrenz durch Giganten wie Amazon und Walmart, die eigene Lieferangebote betreiben, den Markt weitet. Besonders die Beziehung zu Walmart ist kritisch, da dieser seine Lieferungen derzeit über Instacart abwickelt. Gleichzeitig verstärkt Uber international seine Position, unter anderem durch die Übernahme von Delivery Hero in Europa, was den Wettbewerbsdruck erhöht.


