Eine neue Analyse des Momentum Instituts stellt die gängige Annahme infrage, dass Teilzeit und Familienphasen die Hauptgründe für das geschlechtsspezifische Einkommensgefälle sind. Die Auswertung zeigt, dass Frauen in Vollzeitbeschäftigung in jeder Altersgruppe konsequent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Bereits bei den unter 30-Jährigen beträgt der Gender Pay Gap sieben Prozent, während dieser Wert in der Gruppe der 50- bis 59-Jährigen auf 18 Prozent ansteigt.

Besonders deutlich wird die finanzielle Benachteiligung bei Müttern, die in Vollzeit je nach Alter zwischen 19 und 27 Prozent weniger verdienen als Männer. Auch Frauen ohne Kinder sind betroffen; ihr Einkommen liegt im Schnitt zwischen einem Prozent in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen und 15 Prozent bei den 50- bis 59-Jährigen unter dem von Vätern. Sophie Achleitner, Gleichstellungsexpertin am Momentum Institut, betont, dass dies auf eine unterschiedliche Bewertung der Arbeit von Frauen hindeutet.

Die Untersuchung stellt fest, dass die Berufswahl keine Rolle spielt, da Frauen in allen analysierten Berufsgruppen weniger verdienen. In Führungspositionen verstärkt sich dieser Trend mit einem Gehaltsunterschied von 23 Prozent bei Vollzeitbeschäftigung. Die extremste Diskrepanz zeigt sich im Top-Management, wo weibliche Geschäftsführerinnen oder Vorständinnen durchschnittlich ein Drittel weniger bezahlt bekommen als ihre männlichen Kollegen.

Das Ergebnis deutet laut der Analyse auf eine tief verwurzelte strukturelle Benachteiligung in Österreich hin. Die Ursachen liegen nicht allein in der Entscheidung für Teilzeit oder in der Betreuung von Kindern. Vielmehr resultiert die Lücke aus einer systematisch unterschiedlichen Bewertung von Arbeit und Leistung zwischen Frauen und Männern.