Nach der Ankündigung des belgischen Konzerns Ardo, das Werk in Groß-Enzersdorf im Jahr 2027 zu schließen, hat die österreichische Regierung gemeinsam mit regionalen Akteuren eine Lösung zur Sicherung der heimischen Gemüseversorgung gefunden. Mehrere inländische Unternehmen werden ihre Verarbeitungskapazitäten ausbauen, um den Wegfall des Werks abzufedern. Damit soll ein nahtloser Übergang gewährleistet werden und Tiefkühlgemüse aus Österreich weiterhin in den Supermarktregalen bleiben.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Standorts im Marchfeld ist beträchtlich, da dort mehr als 80 Prozent des heimischen Tiefkühlgemüses produziert werden. Im Jahr 2025 lieferten die Bauern der Region rund 40.000 Tonnen Rohware mit einem Gesamtwert von 18,5 Millionen Euro. Betroffen von der Schließung sind 190 feste Beschäftigte, 50 Leiharbeitskräfte sowie etwa 500 Betriebe der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die rund 3300 Hektar bewirtschaften.
Die Verhandlungen wurden federführend von Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf und Lorenz Mayr, dem designierten Präsidenten der Landwirtschaftskammer NÖ, geleitet. Laut Mayr zeigte der Fall Ardo die Verletzlichkeit der Lebensmittelversorgung auf, da ein Ausfall des Werks dazu geführt hätte, dass Produkte wie Spinat und Erbsen aus dem Ausland importiert werden müssten. Die Handelsketten SPAR und Rewe unterstrichen ihre Bereitschaft, weiterhin konsequent auf österreichische Ware statt auf Importe des belgischen Unternehmens zu setzen.
Im Zentrum der neuen Strategie steht die Erzeugergenossenschaft ETG. Durch neue heimische Abnehmer, darunter das Unternehmen Waldland, können künftig bis zu 2000 Hektar für den Anbau von Sojabohnen, Edamame, Blatt- und Wurzelgemüse, Kräutern sowie Erdäpfeln genutzt werden. Zudem baut Schneiders Gemüseland aus Groß-Enzersdorf seine Kapazitäten deutlich aus. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig erklärte, dass die Lücke in der rot-weiß-roten Wertschöpfungskette damit geschlossen sei.



